Körper und Geist Psychologie

Der zweitgrößte Fehler beim Angst überwinden

Angst angehen sanft und spezifisch
Fehlgeschlagener Versuch
gegen die Angst anzuspringen.

Sie ist ein beliebtes Redethema: Die Angst. Und der größte Fehler bezüglich der Angst ist sicher: Diese Herausforderung nicht anzugehen und der Emotion damit zu gestatten, unser Leben zu bestimmen und zu gestalten. Darauf folgt ein fast ebenso gewichtiger Fehler: Sie allzu effektiv und zu wenig spezifisch angehen zu wollen.

Angst angehen – Mein Fallbeispiel

Die 90-er Jahre in München. Ich war Studentin an der Filmhochschule und empfand mich damals als zu ängstlich. (Der Begriff hochsensibel war damals noch nicht geläufig. ) Was konnte ich tun, um diesen Charakterzug loszuwerden? Ein für allemal?

Eine Bekannte hatte Fallschirmspringen als Hobby. Ich sagte ihr, dass das vielleicht eine gute Mutprobe sein könnte. Und dann, es war Hochsommer, kam der Anruf: „Susanne, ich bin jetzt hier draußen auf dem Platz. Du hast doch gesagt, Du wolltest Fallschirmspringen.“ Das hatte ich gesagt. Und ich bin eine, die zu ihrem Wort steht. Sie meldete mich für einen Tandemsprung an. Ich fuhr also raus, auf einen privaten Flugplatz. Ich sah eine Gruppe Menschen große Fallschirme falten und in Rucksäcke verstauen. Eine zarte, aber zähe Frau mit etwas herausgewachsener Dauerwelle stellte sich mir als meine Tandempartnerin vor. Es war so heiß, dass ich beschloss, im T-Shirt zu springen. Ich zog mir darüber die Gurte fest, die mich quasi vor den Bauch der Tandempartnerin schnallten, die wiederum den Rucksack und damit den Fallschirm auf dem Rücken trug.

Und schon saßen wir hinten in der Cessna.  Zusammen mit sechs weiteren Springern und Springerinnen. Wir waren die einzigen Tandemler. Der Pilot flog auf 4000 Meter. Dann schob der erste Springer die Tür zur Seite, auf. Ich beobachtete genau, wie er sprang. Tandems waren zwar als letzte dran, doch ich war diejenige von uns beiden, die voranspringen musste. Ich merkte mir den Stil, einfach mit den Füßen voran. Doch zu meiner Überraschung hatte die nächste Springerin wieder einen anderen Stil und der nächste auch. Dann waren alle weg. Nur noch der Pilot vorne, meine Tandempartnerin und ich bevölkerten die klapprige Cessna.. Ich hätte wirklich nein sagen können. Ich wusste es. Meine linke Hand berührte das Blech, zog mich zur Luke, meine Füße baumelten schon heraus. Ich entschied mich für den Hohlkreuz-Stil und, was soll’s, sprang.

Mein rosa T-Shirt flatterte. Luft bietet tatsächlich Widerstand und ist nicht nichts! Die bayerische Sommerlandschaft kam näher. Dann: Ein jähes Ende des freien Falls. Der Fallschirm öffnete sich. Ich stand plötzlich senkrecht in der Luft. Dann hörte ich von direkt hinter mir: „Scheiße!“ Ein Ruck. Und wir flogen wieder horizontal. Ich konnte nicht sehen, was die Tandempartnerin hinter mir machte. Da war nix von Freiheit mehr, da war kein Vertrauen in das Element Luft. Oder ins Nichts.

Gab es einen Ersatzfallschirm? Einen Rettungsschirm? Es gab, nach ein paar Sekunden, wieder einen Ruck. Ich stand in der Luft, wie vorgesehen auf den Füßen und vor dem Körper der Tandempartnerin, kaum zu atmen wagend. Was, wenn diesmal wieder was schiefging? Die Erde kam näher. Ich so verkrampft wie nie.

Es war ausdrücklich besprochen worden, wie die Landung funktionieren sollte. Einen Fuß aufsetzen und dann weiter auslaufen. Ich traute keinen Anweisungen mehr. Kaum hatte eine Zehe den Boden berührt, ließ ich mich einfach zur Seite fallen, plumpsen. Wie ein Sack auf die Erde. Auf die grüne Wiese. Und dort blieb ich liegen. Zu Atem kommend, die Adrenalinwogen durchlassend. Das, so war ich mir sicher, müsste und wollte ich nie wieder tun.

Angst – Lerninhalt der Geschichte

Tatsächlich hat Fallschirmspringen keinerlei Reiz mehr auf mich. Warum auch? Davor hatte ich ja gar keine konkrete Angst davor, aus Flugzeugen springen zu müssen. Oder auch nur Angst zu fliegen. Insofern war es, so weiß ich jetzt, ohnehin ein unnötiger Umweg. Ab damals ging ich meine Ängste spezifischer und konkreter an. Nicht per Sprung. Sondern Schrittchen für Schrittchen. Nur Mut:

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