Mission Führungskräfte Psychologie

Frauen und Kompetenz in schwierigen Gesprächssituationen

Frauen und Kompetenz
Die wahrgenommene Kompetenz hat oft wenig mit der realen Kompetenz zu tun.

Ich sehe das Thema als eine Angelegenheit von Ehrlichkeit und Integrität. Deshalb ist es wichtig für mich, mich bezüglich meines Standpunkts klar auszudrücken:*
Eine aktuelle Studie von Joseph Grenny und David Maxfield zeigt, dass die wahrgenommene Kompetenz einer Frau um 35 Prozent sinkt, sobald sie ihre Meinung in einem beruflichen Gespräch lautstark vertritt. Es wird sogar ein Geldwert dafür angegeben:  Als um $ 15.088 weniger wert wird sie eingeschätzt. Vermutlich als Abzug vom sonst möglichen Jahresgehalt. Okay. In der Ruhe liegt die Kraft. Doch nun, bezüglich Frauen und Kompetenz, ein mögliches Aha-Erlebnis: Wie ist das bei einem Mann, der genau das gleiche macht? Wird ihm sofort ein Teechen oder Käffchen gebracht? Machen umgehend alle, allen voran die verstummten Frauen, was er sagt? Kriegt er den Vorstandsvorsitz und $ 15.088 monatlich mehr?

Mitnichten: Laut dieser Studie sinkt dann auch seine wahrgenommene Kompetenz. Doch lediglich um 22 Prozent und schlappe $ 6.547. Die Wissenschaftler, die diesen Versuch durchführten, erklärten das Ergebnis damit, dass Menschen (ob Mann oder Frau) Personen aufgrund ihres Geschlechts (oder auch Hautfarbe oder Alter) unbewusst unterschiedlich beurteilen. Eine Frau, die sich leidenschaftlich (das Wort „passionate“ wird in der amerikanischen Studie verwendet) äußert, fällt damit immer noch aus der ihr klischeehaft zugeordneten Rolle.

Der passende Rahmen für Leidenschaft

Die Wissenschaftler beließen es nicht bei der Feststellung und Bewertung. Sie machten im Rahmen der Studie auch einen weiteren Versuch. Wenn die Frau zwar leidenschaftlich und durchsetzungsgewillt blieb, vorab aber ein bestimmtes „framing“, einen Rahmen stellte, konnte sie die Sturmschäden ihrer Leidenschaft eindämmen. Um 16 Prozent zum Beispiel mit den von mir gleich am Anfang dieses Textes (mit * gekennzeichneten) verwendeten beiden Sätze. Dieser Wert war bei Frauen und Männern gleich groß. Ein anderer möglicher Rahmensatz, nur für Frauen, nämlich „Ich weiß, dass es für eine Frau ein Risiko darstellt, derart durchsetzungsstark zu sprechen, doch ich werde meine Meinung sehr direkt ausdrücken“ reduzierte den in der Studie wahrgenommenen Kompetenz-Schaden gar um satte 27 Prozent. Doch leider, da der Frau nun unterstellt werden konnte, die „Geschlechterkarte zu spielen“, auf Kosten ihrer Glaubwürdigkeit.

Am besten: Gar nicht erst ärgern.

Autor

Susanne Hake hat ihren Master of Fine Arts an der University of Southern California in Los Angeles erworben. Sie studierte bei Jack Lee Rosenberg 'Integrative Body Psychotherapy'. Sie arbeitete, festangestellt und selbstständig, als Texterin und Creative Director für internationale Werbeagenturen (Kastner&Partners, McCann-Erickson, TBWA). Und drehte zwischen 1998 und 2007 als Autorin und Regisseurin Spielfilme für ARD, ZDF und Sat.1 Ab 2008 entwickelte sie dann STORYdynamics®. Zunächst dafür, um Storytelling speziell an Werbeagenturen weiterzugeben. Später dann auch direkt für Unternehmen und Selbstständige. 2014 wurde das Sachbuch 'Selbstmarketing für Schüchterne' im REDLINE Verlag München veröffentlicht. Seit 2018 nimmt Susanne Hake, mit dem verfeinerten 5-Phasen-Prozess von STORYdynamics, auch den Schweinehundführerschein® ab. Hier geht es um Zielsetzung, Produktivität und den Umgang mit innerem Widerstand, dem inneren Schweinehund. Ziel ist es, dass Selbstständige und Teams ihre selbstgesteckten Ziele mit mehr Leichtigkeit erreichen.