Psychologie

Ist Selbstbewusstsein für Selbstständige wichtig?

Selbstbewusstsein für Selbstständige – dargestellt durch eine kleine Figur mit rotem Cape

Bevor du dir die Selbstbewusstsein-Frage direkt mit ‚Ja‘ beantwortest: Zu den erinnerungswürdigsten Momenten meines Berufslebens zählt der, als ich mit einer engagierten Selbstständigen über Selbstbewusstsein sprach. Es war zu der Zeit als mein Buch ‚Selbstmarketing für Schüchterne‘ im REDLINE Verlag herauskam. Ich sagte zu ihr, dass ich als Coach am liebsten mit Selbstständigen und UnternehmerInnen arbeite. Sie antwortete blitzartig: „Es gibt keine schüchternen Unternehmer.“

Das Bild des selbstbewussten Unternehmers

Nun, schüchterne Selbstständige gab es zur Genüge. Auch wenn sie, eine Klientin von mir, nicht dazu gehörte: Ich selber schon. Doch ihre Reaktion war derart spontan und authentisch. Waren Unternehmer weniger oder gar nicht schüchtern? Es war 2014, damals war die genderneutrale Formulierung noch nicht so durchgesetzt. Ich kannte die Klientin auch gut genug, um zu wissen, dass sie nicht allzu viele Geschlechtervorurteile (mehr) hatte. Hinter der ausgesprochenen Berufsbezeichnung Unternehmer also durchaus (d/m/w) hätte stehen können. Auch wenn die Karikatur eines feisten Kapitalisten im dunklen Anzug, Zigarre im Mund, die sich im kollektiven Unbewussten festgesetzt hatte, sicher nicht so 1:1 auf weibliche Unternehmer zu übertragen war, oder?

Ist Selbstbewusstsein für Selbstständige anders?

Offenbar gibt es ein Kontinuum dafür, wo Selbstständige sich ansiedeln. An einem Pol als einsame Wölfe und Wölfinnen, die einfach möglichst ungestört ihr Ding machen wollen. Und am anderen Pol die Selbstständigen mit UnternehmerInnen-Bewusstsein, heute auch gerne GründerInnen, Start-Up!, genannt, die scheinbar schon von Anfang an ein Imperium planen. Dies fördern lassen und weltweit durchsetzen. Und wenn Ihnen das kaufmännisch nicht so recht gelingt, noch selbstbewusster die nächste Burn-Rate in Angriff nehmen.

Vielen Selbstständigen vom anderen Selbstständigen-Pol sind diese Gedanke tatsächlich fremd. Sie arbeiten selbstständig, ohne groß unternehmerisches Bewusstsein zu entwickeln. Mehr Selbstbewusstsein für Selbstständige würde hier also einfach heißen: Sich den Gedanken der Expansion, einer organisatorischen Struktur, in der sie sich nicht alles selber kümmern müssen, überhaupt mal spielerisch zu wagen. Am besten gleich mit Exit-Strategie.

Und wenn du dann merkst, dass das partout nichts für dich ist? Diese Art Selbstbewusstsein ist keine Bedingung für deinen Erfolg. Zumal du ja Erfolg ohnehin selbst definieren kannst. Nichts ist erfolgreicher als eine Person, die ihr Leben liebt!

Wann Selbstbewusstsein wirklich wichtig ist

Bei der Akquisition von KundInnen oder KlientInnen ist es mit Sicherheit sinnvoll, Selbstbewusstsein bezüglich des eigenen Angebots zu vermitteln. Warum? Weil es als unnötig egozentrisch und anstrengend wahrgenommen wird, wenn der oder die Selbstständige Geduld für den Ausdruck der eigenen Neurosen einfordert. Dazu drei Tipps:

Was biete ich an?

Für Dienstleistungen und Produkte geht es darum, dass Bedarf – und die Möglichkeit dafür zu zahlen – besteht. Selbst-Bewusstsein ist hier gefragt:

Wie kann ich meine Stärken, Kompetenzen, Wissen und Erfahrungen so kombinieren, dass ich mit größtem Hebel helfen kann?

Wie formuliere ich mein Angebot?

Die richtigen Worte ziehen die passenden KundInnen und KlientInnen an. Und stoßen die unpassenden ab. Insofern ist nicht nur das Wissen, um das inhaltliche Angebot, sondern auch das Feilen an der Kommunikation und den Medien dafür, Teil des Selbst-Bewusstseins für Selbstständige.

Üben, hinhören und Rückmeldungen einbauen

Dein Angebot wächst mit der Rückmeldung. Der Realitätscheck bei deinen WunschkundInnen führt dann entweder zur Bestätigung oder zum Unverständnis oder zur teilweisen oder unumwunden kompletten Ablehnung. Alles ist besser als ohne Rückmeldung zu arbeiten.

Hier treffen sich Selbst-Bewusstsein und Selbstbewusstsein für Selbstständige. Denn Kritik am eigenen Angebot nicht persönlich zu nehmen, befreit dich hin zu mehr Wachstum. Voraussetzung ist, dass du wirklich mit den passenden Personen testest. Und nicht von vornherein Leute wählst, die dir wohlgesonnen sind, sonst jedoch keinerlei Bedarf und Kaufbereitschaft haben.

Denn nur dann weißt du, dass du wirklich etwas am Angebot ändern musst. Oder dir etwas ganz Neues einfallen lassen darfst. Auch hierfür ist echtes, erarbeitetes Selbstbewusstsein zielführender als kein (oder nicht fundiertes) Selbstbewusstsein. Und auch Übungssache.

Autor

Susanne Hake, Master of Fine Arts, arbeitet als ganzheitliche Kommunikationsberaterin und Coach, zertifiziert von der International Coach Federation (ICC). Sie ist für Selbstständige, Führungskräfte in Unternehmen, sowie Studierende an Hochschulen und Universitäten tätig. Ihre Spezialgebiete: Lösungsfokussiertes Einzelcoaching und Gruppencoaching, sowie die Themen Produktivität und Umgang mit innerem Widerstand, auch Schweinehundführerschein® genannt. Ihr beruflicher Hintergrund bringt Erfahrung aus Werbung (McCann, TBWA) und Spielfilmregie (ARD, ZDF, Sat.1) einerseits und Expertise aus der eigenen Praxis für Osteopathie und Psychotherapie andererseits synergetisch und effektiv zusammen. Die Philosophie hinter STORYdynamics, dem von Susanne Hake entwickelten 5-Phasen-Prozess, lässt sich mit folgenden Zitaten auf den Punkt bringen: "Das Einzige, was zwischen dir und deinem Erfolg steht, ist die Geschichte, die dur dir ständig selber erzählst." Tony Robbins "Jeder Mensch ist in gewisser Hinsicht a) wie jeder andere Mensch b) wie einige andere Menschen c) wie kein anderer Mensch" Kluckhohn & Murray "Alles Leben ist Bewegung" Andrew Taylor Still