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Motivation für noch zurückhaltende Fach- und Führungskräfte?

Selbstmarketing hat auch was mit Motivation zu tun
Extrinsische Motivation funktioniert eher selten ©depositphotos.com/prapass

Sich als introvertierte, hochsensible oder schüchterne Person „eine Führungsposition anzutun“ ist auf den ersten Blick genau so unattraktiv wie „Selbstmarketing betreiben zu müssen“. Richtig erkannt wird hier zumindest, dass beides in engem Zusammenhang steht. Alles andere: nicht mehr zeitgemäß. Ob Sie als introvertierter Mensch in der Steinzeit als „Alpha“ rübergekommen wären, kann ich von Ferne nicht beurteilen. Das hing damals auch mit Geschlecht, Muskelpaketen und möglichst furchteinflößender Mimik, Gestik und Grunzlautstärke zusammen. Als hochsensibler oder schüchterner Zeitgenosse hätten Sie sich im Steinzeitrudel wohl eher auf der Beta- oder Omega-Ebene wiedergefunden. Da fühlten Sie sich vergleichsweise sicher, konnten Führungsaufgaben meiden, bei der Mammuthetze in der zweiten bis dritten Reihe anrücken oder ungestört die Beeren sammeln, die andere zu unreif fanden.

Heute ist das anders: wissenschaftliche Studien zeigen, dass Persönlichkeitseigenschaften kaum Einfluss darauf haben, ob eine Führungskraft effektiv ist oder nicht. Optimalerweise geht es auch nicht mehr darum, andere zu dominieren, sondern eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Gemeinschaft motiviert ist, ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Ein Umfeld, in dem der oder die Einzelne unterstützt und gefördert wird und nicht eingeschüchtert. In dem Freude an der Aufgabe zu Höchstleistungen führt und Strategien für Erfolg und nicht fürs ruhige Kugel schieben und Kündigung vermeiden entwickelt werden.

Inspiration zur Motivation

Wie motivieren sich Menschen, die in der Steinzeit eine untergeordnete Rolle gespielt hätten, überhaupt dazu in Führungspositionen zu kommen? Da sind Introvertierte und Hochsensible und viele Schüchterne tatsächlich etwas im Nachteil. Belohnungen von außen ziehen hier nicht. Sie verhalten sich, nach dem Psychologen Gray, eher bestrafungsvermeidungsorientiert als belohnungsorientiert.

Sie setzen sich so auch weniger konkrete Ziele. So verzichten sie weitgehend darauf, die eigene Zukunft aktiv mitzugestalten. Und erst recht darauf, die Zukunft von Organisationen mitzugestalten. Sie machen damit nicht nur sich selber klein, sondern legen die Zukunft der Welt in die Hände nicht unbedingt qualifizierterer Mitmenschen. Sondern in die Hände derjenigen, die häufig plump an eigenen materiellen Belohnungen und Machtgebahren interessiert sind. So geht das nicht weiter!

Selbstmotivation zum Ziel

Ihre eigene Motivation wird sich der kulturellen Entwicklung der letzten Jahrhunderte und erst recht der letzten Jahre anpassen müssen. Über einen Umweg. Machen Sie sich klar, dass Sie durch Strafvermeidung, sich selbst in die Ecke der Höchststrafe manövriert haben: Sie haben Ihr Leben weitgehend aus Angst vor vermeintlicher Strafe durch andere Menschen gestaltet. Sich eben nicht an eigenen Zielen orientiert, sondern an dem, was Sie vermuteten, das andere von Ihnen wollen. Spüren Sie diese Peinlichkeit. Das ist genau die Strafe, die Sie ab jetzt vermeiden, indem Sie sich ganz bewusst Ihre eigenen Ziele setzen. Nicht „wie gehabt“, sondern mit Zielsetzungsmethoden, die auch für Ihr spezielles Gehirn ziehen. Was Sie dazu brauchen? Ihre, ich vermute mal: überragende, Intelligenz und Ihr reges Vorstellungsvermögen. Ja, genau die Fantasie, die Sie üblicherweise nutzen, um sich Ängste hochzudramatisieren und mögliche Katastrophen auszumalen. Nutzen Sie sie konstruktiv:

Was wollen Sie für sich erreichen?

Was ist ‚großes Warum‘?

Was wollen Sie mit einer Organisation z.B. auch der, für die Sie jetzt arbeiten, erreichen?

(Mehr konkrete Fragen und überraschende Übungen zur Zielsetzung finden Sie im Buch ab Seite 63)

Wie bitte? Sie sagen, Sie brauchen kein Warum und kein Ziel, Sie sind froh, wenn Sie mit dem Alltag zurande kommen?

Es wird Ihnen, Studien belegen das, in höheren Positionen körperlich und emotional besser gehen: Ihre Cortisol-Werte (Stresshormonwerte) sind dann niedriger. Und ein großes Warum, Ihre wirkliche Aufgabe, die Sie nach vorne zieht, aufrichtet und andere Menschen einbezieht, wird Ihnen so viel Schwung geben, dass bisher lähmende Alltagsprobleme, dieser energieraubende Sumpf, sich viel leichter lösen.

Für was möchten Sie Ihre Energie verwenden? Gehen Sie in Führung von sich selbst und anderen. Es ist der effektivste Hebel.

Fragen und Anmerkungen sind jederzeit willkommen.

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Autor

Susanne Hake hat ihren Master of Fine Arts an der University of Southern California in Los Angeles erworben. Sie studierte bei Jack Lee Rosenberg 'Integrative Body Psychotherapy'. Sie arbeitete, festangestellt und selbstständig, als Texterin und Creative Director für internationale Werbeagenturen (Kastner&Partners, McCann-Erickson, TBWA). Und drehte zwischen 1998 und 2007 als Autorin und Regisseurin Spielfilme für ARD, ZDF und Sat.1 Ab 2008 entwickelte sie dann STORYdynamics®. Zunächst dafür, um Storytelling speziell an Werbeagenturen weiterzugeben. Später dann auch direkt für Unternehmen und Selbstständige. 2014 wurde das Sachbuch 'Selbstmarketing für Schüchterne' im REDLINE Verlag München veröffentlicht. Seit 2018 nimmt Susanne Hake, mit dem verfeinerten 5-Phasen-Prozess von STORYdynamics, auch den Schweinehundführerschein® ab. Hier geht es um Zielsetzung, Produktivität und den Umgang mit innerem Widerstand, dem inneren Schweinehund. Ziel ist es, dass Selbstständige und Teams ihre selbstgesteckten Ziele mit mehr Leichtigkeit erreichen.